Materialermüdung! Oder: Als ich mir einmal ganz schrecklich wehgetan habe

Mein altes Fahrrad fiel mir nach und nach buchstäblich unterm Hintern auseinander. Wieder und wieder gaben Teile den Geist auf und ich hatte mit der Zeit bereits Felgen, Gepäckträger und alles mögliche ersetzt, einfach weil ich an dem antiken Bock, der übrigens „Mainperle“ hieß, hing.

Habe mehr Geld hineingesteckt, als das ganze Gefährt seinerzeit überhaupt auf dem Flohmarkt gekostet hatte…
Allein der Brooks-Sattel!

Aber jetzt war das Maß voll!

Wenn man an einem steilen Berg anfahren muss, sitzt man nicht im Sattel, sondern man stellt sich gewissermaßen aufs Pedal mit allem Gewicht was man hat und steht somit genau über der queren Stange des Rahmens. So machte ich es jeden falls, als ich letztens aus der Tiefgarage herausradeln wollte.

DA BRACH DAS PEDAL AB, AUF DEM ICH STAND!!!!!

Ich SACKte unvermittelt Dreissig Zentimeter in die Tiefe und nur die ungnädige Rahmenstange bremste mich und zwar – Ihr wisst wo.

Ui-Ui-Ui! Mein Schrei gellte durch die, wie ich sie halb heiter, halb wehmütig zu nennen pflege, pittoresken Gassen meines Heimatstädtchens, echote vielfach, wie aus Tausend Kehlen, zwischen den sandsteinernen Prunkfassaden der Herrschaftshäuser, hoch an den asbestverseuchten Wolkenkratzern, wo der Wind ihn forttrug bis in die höchsten Wipfel der Taunustannen, wo die Eichhörnchen verschreckt ihre NÜSSE fallen liessen.

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9 Antworten auf Materialermüdung! Oder: Als ich mir einmal ganz schrecklich wehgetan habe

  1. Apollo Surfer sagt:

    Oh ja, das Gefühl kommt mir bekannt vor. Übrigens ein nettes Wortspiel: „SACKte“.

    Es gibt ja noch ein paar schöne Umschreibungen für diese Gegend (hier aus der beliebten Sitcom „King of Queens“):

    Laufstall der Zwillinge; Waffenlager; Sendezentrum

  2. Marc sagt:

    Aua. Mir brach mal eine Hälfte vom Lenker, als ich einen Bordstein – mit leicht nach oben reißen – hochfahren wollte. Dass ich da nicht vom Rad gefallen war, hatte mich doch sehr gefreut.

  3. Kofi Annan sagt:

    Ich finde es schön, daß Du so lange der Mainperle die Treue gehalten hast. Fahrräder aus dieser Zeit haben noch eine Seele. Mein Onkel, der Dir ja auch persönlich bekannt ist, kaufte sich in seinem zweiten Lehrjahr Anno 1953 ein „Standard“-Fahrrad, mit dem er auch zufrieden bis ins Jahr 2003 radelte. Nach dieser Zeit war es wohl „abgeschrieben“ und er war gerade am demontieren des heiligen Stücks, als ich ihn dabei erwischte. Ich nahm ihn das Stück Klein-Auheimer Kulturgeschichte ab und renovierte es. Natürlich hat es immer mal wieder Macken, wie Dein „Klötenrammer“. Aber es macht einfach Spaß mit so einem Ding durch die Gegend zu gleiten. Ein paar Tage nach der Übernahme des Rades von meinem Onkel präsentierte mir dieser übrigens noch die Originalrechnung aus dem Jahr 1953. Hab ich mir natürlich mitgenommen. Die Garantie ist leider schon abgelaufen.
    Gruß von
    KOFI

  4. frater aloisius sagt:

    hehe, Apollo, das ist ja alles viel besser als beispielsweise „Familienjuwelen“.

  5. frater aloisius sagt:

    Heisst das, Marc, dass Du noch locker ein paar Kilometer mit halbem Lenker weitergefahren bist? 😉
    (Konnte ich mit einem Pedal nicht)

  6. frater aloisius sagt:

    yeah Kofi, du kennst die „Mainperle“ ja auch noch! Werde mir die Original-Mainperle-Klingel wohl an mein neues Rad schrauben.
    Die Gurke von Deinem Onkel muss ich auch mal in Augenschein nehmen!

  7. Venden sagt:

    Ich habe Tränen in den Augen… nein, nicht wegen den schmerzen. Ich stelle mir das Ganze nur bildlich vor.

  8. frater aloisius sagt:

    boah, wie schadenfroh, venden. Jetzt bitte mich aber bloss nicht, dass zu zeichnen, kicher

  9. Venden sagt:

    Du forderst es (fast) raus! Also, Bild her!

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