Toughes Mädel im Zug

Ich mag toughe Frauen (oder taffe, ich weiß nicht, wie Ihr das schreibt. Egal, es ist ein blödes Wort. Wann braucht man es schon? Man kann doch stattdessen ?coole Sau? sagen!!!).
Gestern bin ich einer begegnet, es war irgendwie nett.

Und zwar:

Ich fuhr in der S-Bahn nach Hause und stand im Gang, direkt an der Tür.
An den Enden des Waggons erhoben sich jeweils Uniformierte und murmelten etwas von ?guten Abend? und ?Fahrscheinkontrolle? oder so. Ich zückte schon meine Monatskarte und behielt sie in der Hand, aber es dauerte noch unendliche Ewigkeiten, bis die Staatsgewalt sich näherte.

Eine junge Frau von vielleicht zwischen 17 oder 22 Jahren, was weiß ich denn, mir hat sie ihren Ausweis nicht gezeigt, man kann das Alter immer schwer schätzen, es tut ja auch nichts zur Sache, in dieser Geschichte jedenfalls nicht, in anderen vielleicht schon, erhob sich, weil sie wohl an der nächsten Station rauswollte und stellte sich darum vor mich, der ich ja, wie schon erwähnt, direkt an der Tür stand.
Endlich war einer der lahmen Kontrolleure bei uns, bei mir und bei dem Mädchen in meiner direkten Nähe. Noch immer hielt ich meine Dauerkarte hoch und endlich erfasste der kurzsichtige, alte, dickliche Gummiknüppel- und Taschenlampenträger im schneidigen Dunkelblau es mit seinen bebrillten Glupschern und murmelte ?Okay?.

Auch das Mädchen hielt ihm ein Ticket hin, das es hervorgekramt hatte, von meiner Warte aus schätzte ich es als Einzelfahrschein ein, keine Ahnung.
Der Alte äugte stundenlang ganz nah drauf, neigte den Kopf ein wenig und murmelte dann nach vielleicht 20 lahmen Sekunden sein ?Ja, okay, danke? zu der jungen Dame.

Währenddessen lächelte das Mädchen mich an und ich lächelte zurück und dachte, jaja, wir Zwei lächeln hier über die Lahmarschigkeit des Uniformträgers. Zack, schon wieder erhielt ich ein freches Grinsen von ihr, ein zweites Mal, und sie rollte sogar ein wenig mit den Augen und den Brauen nach oben, ganz listig. Ich grinste halt zurück, dachte inzwischen jedoch bei mir:
?Na, jetzt haben wir aber lang und ausgiebig genug über den Kontrolleur gefeixt.? Er tat mir schon fast leid, so vertrottelt und umständlich war er nun auch wieder nicht. Tat eben gründlich seinen Dienst. Aber egal, ein kleiner Blickkontakt und ein wenig Lächeln schaden nie und der Alte merkte es ja nicht.

Der Kontrolleur zog nämlich weiter zum nächsten Passagier, während die S-Bahn eine Station erreichte, sich verlangsamte und zum Stehen kam. Gesprochen wurde nichts und nun stieg meine Blickkontakt-Bekanntschaft aus, ging an mir, dem noch Weitermüssenden, vorbei. Als Sie direkt neben mir war, ihr Gesicht genau bei meinem, flüsterte sie plötzlich leise ein Wort: ?ausgetrickst!!!?

Ich lach? mich schlapp, Leute:
Deshalb also die Grinserei! Sie hatte einen FALSCHEN, jedenfalls einen UNGÜLTIGEN Fahrschein gezeigt! Und war damit durchgekommen!!! Ich fand mich durch mein Mitgrinsen in der Rolle eines unfreiwilligen Komplizen wieder!
Herrlich. Jetzt lachte ich, aber richtig. Ja, ich liebe es, wenn die Büttel der Obrigkeit an der Nase herumgeführt werden! Na und? Ist doch auch witzig. Das toughe Mädchen draußen drehte sich noch mal zu mir um und wir lachten beide und jetzt wusste ich sogar, warum.
AUSGETRICKST!

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4 Antworten auf Toughes Mädel im Zug

  1. Ha Ha Ha! Kenn ich irgendwo her die Situation. Ich bin nur leider für so etwas viel zu wenig abgebrüht.

  2. anjo sagt:

    Schöne Geschichte! Aber da frag ich mich doch, was da mit unserer Staatsgewalt so los ist. Sind die denn jetzt alle total verschusselt, blind oder hat der Herr umgeschult nach zwei Jahren Änderungsschneiderei zum Kontrolleur?

  3. Mainbube sagt:

    Die Herren Kontrolettis sind nicht die Staatsgewalt, nur noch Angestellet einer outgesourcten (oder so) Sicherheitsfirma der DB AG.

    Ich freu emich nie über Schwarzfahrer die nicht erwischt werden, weil diese Leute, mögen sie noch so nett aussehen, allen anderen Nutzern des ÖPNV Schden zufügen. Du und ich, und alle anderen RMV-Nutzer die ihre Tickets bezahlen, haben dieser jungen Dame das Ticker mitbezahlt.

    Schwarzfahren müsste mindest den Preis einer Monatskarte kosten!

  4. frater aloisius sagt:

    auf diese Einwände, Mainbube, habe ich natürlich gewartet.
    Dein erster Punkt ist korrekt, die Ungenauigkeit ist mir bewusst und man möge sie mir verzeihen. „Obrigkeit“ und „Staatgewalt“ trifft höchstens in einem übertragenen Sinne, höchstens auf das Auftreten der Blaumänner zu.

    Mir gefällt es nicht, die Zahlenden gegen die Schmarotzer aufzuhetzen. Das Geld versickert woanders. Schwarzfahrer (oder auch Vandalen) sind da nur ein vorgeschobenes Argument, mit denen die unverschämt hohen Preise gerechtfertigt werden sollen.

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