März 1994: Geheimkonzert der MELVINS und Kurt Cobain schon fast tot.

Ein Kommentar von Stonefield bei mir brachte mich auf die Idee, diese Episode zum Besten zu geben:

Manchmal hat der Musikfan Glück (Nur einem ergeht es weniger glücklich in dieser Geschichte).
Im März 1994 konnte ich eine geheime Information erhaschen und das kam so: Ich stöberte in Bockenheim im ?Klistier? herum, Frankfurts ältestem und lange auch einzigen „Indie“-Plattenladen. Den es natürlich längst nicht mehr gibt. Ich hörte eine Unterhaltung zwischen dem Besitzer und einem Kunden, die ging in etwa so:
-„Ey Alter, heute hätten doch Nirvana in Frankfurt auftreten sollen, in der ?Music Hall? oder so.“
-„Ja, und?“

(Ach nee, ich erzähle das doch lieber ohne wörtliche Rede.)Jedenfalls erzählte der eine dem anderen, dass Nirvana?s Auftritt ausfallen müsse, weil doch Kurt Cobain in Rom im Krankenhaus liegt, da er eine beträchtliche Anzahl Schlaftabletten gefuttert hatte. Vorgruppe hätten die Melvins sein sollen. DIE MELVINS!!! Ich horchte auf. Nirvana interessierten mich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr so, aber die Melvins, jene drei Wahnsinnigen, deren zerstörerischer Sound eher ein ironisches Zitat und einen experimentellen Kommentar auf Rockmusik als irgendwas anderes darstellt, hatten sich mit ihrem Lärm einen Platz in meinem Herzen erspielt. Die Melvins waren übrigens einer der Gründe, warum Kurt Cobain Musiker geworden war. Und nun standen sie da, als die arbeitslosen Anheizer für einen seelisch zerrütteten Superstar, der ursprünglich ihr Fan war?
Der Kunde informierte den Händler, dass die Melvins, nun schon mal in Frankfurt, trotz Konzertabsage auftreten würden. Und zwar in einem kleinen und mehr oder weniger geheimen Rahmen. Nämlich im NEGATIV. Unangekündigt, nur für die, unter denen es sich eben kurzfristig herumgesprochen hatte! Wow! Die Melvins im damals nettesten Club von unserer kulturell ansonsten mausetoten Mainmetropole! So schnell wie es ging (Handy gab es noch nicht) rief ich Apollo Surfer an, der natürlich mit von der Party war. Was soll ich sagen: Es wurde fantastisch, die Bude gut gefüllt und Apollo Surfer und ich stolz wie Oskar, dass wir von diesem ?Geheimgig? erfahren hatten?

(Wenig später, am 8.April 1994, fand man Kurt Cobain tot auf.)

P.P.S.: Apollo Surfer hat diese Geschichte ebenfalls schon aufgeschrieben und sein Bericht diente mir als wertvolle Quelle, thänx.

P.P.P.S.: Interessante Geschichts-Site: Nirvanaguide.com

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Eine Antwort auf März 1994: Geheimkonzert der MELVINS und Kurt Cobain schon fast tot.

  1. Diego R. Altemann sagt:

    Seufz – „Das NEGATIV!“ Vielen ist es ja nur noch als „Grufti-“ oder „Gothic-Club“ in Erinnerung. Aber vielmehr war es der beste „Indie-“ Laden, den Frankfurt je hatte!!!

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