Eine obskure Perle des Bass-Handwerks. THE AWAKENING by THE REDDINGS

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Codo war vielleicht 14, ich 11 Jahre alt, als er mir eine Cassette überliess, auf der er ein Kinder-Science Fiction-Hörspiel aufgenommen hatte. Ausserdem auf dem Tape fand sich ein wahrlich wundersames Musikstück. Scheinbar zufällig mit drauf gelangt. Ein Wort wie „Funky“ kannte ich noch nicht, aber schon damals bemerkte ich, dass dieses Instrumentalstück eine ungewöhnliche Ausstrahlung besaß. Irgendetwas unterschied das Stück von anderer Popmusik. Mir kam es jazz-artig vor und ich vermutete, dass Codo es von seinem Klavierlehrer hatte. Es war so Musiklehrer-Musik, also Mucker-Mucke, das kann schon ein elfjähriger spüren.

Danach gefragt hatte ich Codo erst viele Jahre später, da wusste er leider nicht mehr, was es gewesen war. Das Stück begleitete mich über die Jahre, ich tapte es um, um es zu bewahren, brachte es hier und dort unter, immer unter der Beschriftung:

„Obskures Bass-Instrumentalstück“.

Inzwischen hatte ich nämlich begriffen: Das ungewöhnliche an dieser Komposition war, dass es sich um ein Bass-Schlagzeug Duett handelte, in der der E-Bass sein KOMPLETTES Klangspektrum präsentieren durfte. So wie er es, in der Rockmusik, die ich sonst mochte und mag, nie darf, schnüff, schnüff.

Singende Obertöne, Slapping: alles wird hier nach allen Regeln der Kunst vorgefürt. Wäre nicht die Gitarre schon immer mein Favorit gewesen, dieses Stück könnte einen jungen Menschen dazu bewegen, Bassist werden zu wollen. Jahrelang habe ich immer mal wieder musikinteressierte Leute (auch Bassisten) gefragt, ob sie diese obskure Perle kennen. Immer Fehlanzeige, aber jeder fands geil. (Die Möglichkeit zur Internet-Recherche offenbarte sich erst später!!!.)

Szenenwechsel.

1998 erschien auf „Rhinoplasty“ vom Primus eine 9minütige Liveversion des Hits „Tommy the cat“, in der Les Claypool, der grosse Bass-Virtuose der Gegenwart, sich Zeit für ein ausgiebiges Solo nimmt. Als ich dies zum ersten Mal ausgiebig anhörte, DA GLAUB ICH DOCH, MICH TRIFFT DER SCHLAG: Innerhalb von „Tommy the cat“ stimmt Les Claypool eben genau dieses komplette obskure Stück an! Ein Wiederhören nach Jahren. Ich dachte, ich höre nicht recht. Inzwischen glaubte ich nämlich schon, es sei nur eine Privataufnahme irgendeines Basslehrers. Woher kennt das dann aber Les Claypool??? Ein Blick aufs CD-Innencover genügte, dort war das Komplett-Zitat folgendermaßen angegeben:
„Tommy the cat includes „the awakening“ by the Reddings, Dexotis Music/Band of Angels(BMI)Aha. The Reddings, nie gehört. Ein Rätsel meiner Kindheit war also gelöst. Näheres Hier. Die Söhne von Otis Redding also, interessant. Wer eine Aufnahme davon hat, kann sie mir ja mal zuschicken, unter der bekannten Adresse des Frater Aloisius @ Hell.

Leser, die diesen Artikel anklickten, würden vielleicht auch DIES in Ihren Warenkorb legen: „Dos“ von Kira und Mike Watt. (p) 1986 new alliance records. Bass-Duette, immer etwas besonderes.

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Eine Antwort auf Eine obskure Perle des Bass-Handwerks. THE AWAKENING by THE REDDINGS

  1. Collector Zidem sagt:

    Hi Alter, cooler Artikel. Ich kann mir vorstellen, wie Du gestaunt hast, als Du das plötzlich wiedergehört hast. Während meiner Zeit in Ohio habe ich die LP der Reddings öfters mal in den Fingern gehabt, und wollte sie eigentlich mitnehmen. Schade!

    Greetings,
    Collector

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