Karfreitag (nicht) zum BLACK METAL

gott 22222

Ich könnte HEULEN. Diese wahre Geschichte hatte ich vor Jahren bereits im Schweiße meines Antlitzes  und mit Details geschmückt niedergeschrieben und hier veröffentlicht.

Jetzt ist sie weg. Verschwunden.

Entweder hatte ich den Blogeintrag versehentlich gelöscht oder er ist beim Umzug dieses Weblogs auf die jetzige Domain www.frateraloisius.de unter die Räder gekommen. Oder die Götter persönlich haben meine unliebsamen Worte GETILGT. (Hallo, Archive-Org? Hallo, NSA? Habt Ihr meine Story noch irgendwo gespeichert? Ich wäre dankbar!).

Jetzt muss ich alles neu erzählen:

Eines schönen KARFREITAGS gegen Ende der Neunziger Jahre kriegte ich morgens beim Blättern in einem Stadtmagazin mit, dass in einem vermutlich heute nicht mehr existenten METAL-CLUB in Offenbach, der HAFENBAHN direkt am Mainufer, am Abend ein BLACK METAL-Festival steigen sollte:

Drei oder vier oberfiese Bands wurden angekündigt, Namen nicht mehr parat, so mit CORPSEPAINT, also Gesichtsbemalung zwischen Pandabär und Moorleiche, Nieten noch und noch, unleserliche Gruselschriftzüge als Gruppennamen und wüste extreme Klänge,  zu denen blasphemische Botschaften und Teufelsanrufungen herausgekreischt werden, während die Bühne mit Schweineschädeln und topless-Tänzerinnen an Andreaskreuzen dekoriert ist.

Ich find’s lustig. Habe nichts dagegen. Dies war zwar nie mein allerliebstes Lieblingsgenre, doch zumindest unter ferner liefen bedeutet einiges aus der BLACK METAL-Gattung und deren Nachbar-Genres mir nach wie vor sehr viel.

Die Komik, der dahinterstehende Humor, ausgerechnet am heiligen Karfreitag solch ein Satanistengelage abzuhalten, zauberte mir gleich ein Lächeln daher. Andere diskutieren TANZVERBOTE und geschlossene Discotheken und die Metaller juckt das nicht und sie veranstalten, völlig unbeachtet, SOWAS.

So beschloss ich, damals vom Frankfurter Osten aus, dorthin RADELN zu wollen. Wäre nicht weit gewesen per Fahrrad. Kurz über die Kaiserlei-Brücke, ein Stück den Main entlang, zack warste da. Ich fuhr die Strecke damals sehr oft, denn noch näher als die HAFENBAHN, ebenfalls am Gestade des Mains befand sich das MTW, der damals beste Konzertschuppen!!!!

Bibi brauchte ich nicht zu fragen, die hatte andere Pläne und keine zehn Ziegenböcke hätten meine Liebste zu solch teuflischem Nihilistenlärm gebracht. Sogar ich selbst zauderte auch kurz und dachte bei mir: Diese komische Szene ist doch berüchtigt dafür, gerne unter sich sein zu wollen und so ein aufgeschlossener Pop-Fan wie ich, mutterseelenallein, ist dort vielleicht nicht wohlgelitten. Keine Aufnäher, keine langen Haare, hahaha.

Auf einem späteren EXTREM METAL-Festival, 2004 mit VADER, BELPHEGOR, MARDUK, NAPALM DEATH, kriegte ich dann auch tatsächlich eine (leere) Bierflasche über die Rübe. Das war hart.

Ich rief, aus anderen Gründen, Osterwünsche und Plaudern, meinen alten Herrn an und allein um den frommen alten Mann zu ärgern, erzählte ich ihm von meinen Plänen für einen blasphemischen Karfreitagabend. Was BLACK METAL überhaupt sein soll, musste ich Pops (jetzt 87) natürlich erst umständlich, beginnend mit Adam und Eva, verklickern. Prompt erwiderte er voll halb gespielter Empörung, wie schändlich er mein Vorhaben beurteile. „Du Heide!“ und so weiter. „…höchster Feiertag der Christenheit…“ Eh klar.

Ein frühlingshafter Karfreitag zog ins Land und ich schlüpfte gegen Abend in die Lederjacke und in ein Band-Shirt („POSSESSED“), verabschiedete mich von Bibi und wollte gerade draußen vorm Haus mein Fahrrad aufschließen, um zum BLACK METAL loszuradeln….

URPLÖTZLICH GROLLTE DONNER. Der Himmel verdunkelte sich, Regen prasselte los und man sah Blitze. Sowas aber auch. Ich schloss den Drahtesel wieder ans Geländer der Kellertreppe ging zurück in die Wohnung und teilte der überraschten Bibi mit, dass ich nun natürlich nicht per Fahrrad auf irgendein Konzert fahren würde und den Abend lieber zu Hause verbrächte. Sie prustete sofort los, ich stimmte ein, wir lachten uns zusammen schlapp!

Als wir zwei Tage später, beim elterlichen Osterfrühstück saßen, und die Story zum Besten gaben, hob Pops (87) nach der Pointe mit dem Gewitter den Zeigefinger und sagte: „SIEHSTE.“

 

Jeden Karfreitag muss ich an diesen durch einen Fingerzeig vom Himmel verhinderten BLACK METAL-Festivalbesuch denken.

 

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Eine Antwort auf Karfreitag (nicht) zum BLACK METAL

  1. stepp sagt:

    Eine sehr schöne Geschichte! Mehr davon!!!

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